Donnerstag, 12. Januar 2017

Vorläufige Bewertung des Risikos von Umweltauswirkungen der Regierungs- "Strategie für die Förderung der Binnenschifffahrt in Polen für die Jahre 2016-2020 mit Aussicht bis 2030" auf geschütze Gebiete

der gesamte Bericht ist auf polnisch nachzulesen hier: http://www.kp.org.pl/pdf/stanowiska/wodne/2016-09_ryzyko_oddz_progr_rozw_zeglugi_na_przyrode.pdf

Zusammenfassung


Im Odertal würde die Umsetzung der Strategie die Integrität der gesamten Kette an Schutzgebieten entlang der Oder (17 Natura 2000-Gebiete und 4 Landschaftsparks), von der tschechischen Grenze bis nach Stettin, unterminieren. Die Mehrheit der Schutzgebiete würde den entscheidenden Umweltfaktor verlieren, die über ihr Funktionieren bestimmt. Das sind die periodischen Hochwasser der Oder, welche entscheidend sind für die Lebensräume: Weiden-, Pappel- oder Erlen-Auenwälder (91E0), Eschen-Hainbuchen-Hartholzaue (91F0), Brenndolden-Stromtalwiesen (6440), bedeutend auch für die Altwässer (3150) sowie andere Lebensraumtypen. Verloren wäre die gesamten Oder-Vorkommen des Lebensraumtyps 3270 – Flüsse mit schlammigen Ufern. Durch den Verlust von temporären Schwemmland und Überschwemmungsflächen in der Aue würde es zur bedeutenden Verschlechterung der Lebensräume von Vogelarten kommen, die in Natua 2000-Gebieten geschützt sind. Einige Standorte geschützter Lebensraumtypen würde durch die notwendige Anpassung des Flussbettes an die angestrebte Schiffbarkeitsklasse physikalisch zerstört werden. Die negativen Folgen beträfen auch einen der wertvollsten Weichholzauen-Komplexe (91F0) in Europa. Die auf diese Weise beschädigte Integrität des Natura 2000-Netzes wäre in keiner Weise möglich zu kompensieren.
An der Oder würde die Realisierung der Strategie die Umweltbedingungen für gegenwärtig umgesetzte Investitionen beeinflussen: die Staustufen Malczyce, Wrocławski węzeł wodny, sowie die Talsperre Raciborz Dolny, die nach der Bewertung der Auswirkungen auf die Natura 2000-Gebiete unter der Vorraussetzung genehmigt worden sind, dass Maßnahme zur Minimierung der Auswirkungen umgesetzt werden. Im Falle der Umsetzung der Strategie könnten diese Maßnahmen überhaupt nicht umgesetzt werden oder ihr Effekt wäre völlig zu vernachlässigen.

In der Weichsel-Aue würde die Realisierung der Strategie die Zerstörung der Integrität der gesamten Kette von Schutzgebieten (10 Natura 2000-Gebiete, Landschaftsparks, 10 Naturschutzgebiete) zwischen Warschau und der Weichsel-Mündung bedeuten. Der Charakter des Flusses würde auf diesem Abschnitt komplett zerstört werden, einschließlich aller Naturwerte, die an diesen Charakter gebunden sind – insbesondere das dynamische System von Sandbänken, Flussinseln, Fluss-Verzweigungen, erodierten Ufern und zeitweilig überschwemmten Flusswiesen.
Zerstört werden würde ein wesentlicher Teil des Landesbestandes des Lebensraums der Brandgans Tadorna tadorna, des Austernfischers Haematopus ostralegus, der Fluss- und Sandregenpfeifers Charadrius dubius, Charadrius hiaticula, der Schwarzkopfmöwe Larus melanocephalus, der Sturmmöwe Larus canus, der Fluss-Seeschwalbe Sterna hirundo sowie der Zwergseeschwalbe Sterna albifrons. Die Lebensräume von geschützten Fischarten in Natura 2000-Gebieten in diesem Abschnitt der Weichsel zerstört werden. Eine indirekte, aber unabwendbare Auswirkung wäre das Verschwinden von Sandbänken in der Weichselmündung, was zu einem völligen Verlust der Naturwerte der Mündung führen würde, darunter sind das einzige ständige Vorkommen der Kegelrobbe Halichoerus grypus in Polen und ein Vorkommen der Brandseeschwalbe Thalasseus sandvicensis. Die auf diese Weise verletzte Integrität des Natura-2000-Netzwerkes wäre in keiner Weise kompensierbar.

In der Warte und Netze-Niederung besteht das Risiko der Beeinflussung der Wasserverhältnisse des gesamten vertorften Torun-Eberswalder Urstromtals, und dadurch von fast allen Schutzobjekten der Kette von 6 Natura 2000-Gebieten, die das Urstromtal ausfüllen.
Der Bau der Wasserstraße in der Bug-Niederung verletzt grundsätzlich, unabhängig von der gewählten Variante, die Integrität des Schutzgebietskomplexes aus Natura 2000-Gebieten und des Landschaftsparks, der sich durch die gesamte Aue zieht.
Der Bau einer Reihe von Staustufen an der Weichsel und Oder würde (selbst im Falle des Einsatzes von Fischtreppen) sich auf die Migrationsmöglichkeiten von Wanderfischen auswirken, indem sich für anadrome Fische den Zugang zu praktisch allen Laichgebieten in Polen verschlechtert. Ausgenommen sind nur die küstennahen Flüsse. Diese gesamtpolnischen Auswirkungen beträfen insbesondere den Lachs Salmo salar, das Fluss-Neunauge Lampetra fluviatilis, und würden auch die Rückkehr des Baltischen Störs Accipenser oxyrrynchus in die Mehrzahl der polnischen Flüsse verhindern.

Die Beschädigung des Natura 2000-Netzwerks durch die Umsetzung der Strategie könnte nicht als Ergebnis von Kompensationsmaßnahmen wieder rückgängig gemacht werden. Die negativen Auswirkungen, wie der Verlust eines bedeutenden Teils der Landesvorkommen betreffen vor allem Lebensräume und Arten, die an große Fluss-Niederungen gebunden sind. Es gibt in Polen nicht noch mehr solcher Niederungen, die nicht durch das Programm betroffen sind und die Ziel für etwaige Kompensationsmaßnahmen sein könnten.

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